Schönheits-OP: Darf ich mit Narben in die Sonne?

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Nach einem ästhetischen Eingriff ist der Wunsch groß, das neue Körpergefühl auch zu zeigen – am liebsten mit einer gesunden Bräune. Viele Patientinnen und Patienten fragen sich, ob Sonnenbaden oder Solarium helfen könnten, die frischen Narben optisch zu kaschieren.

Doch hier ist medizinische Vorsicht geboten: Bräunen ist für frisches Narbengewebe absolut tabu. UV-Strahlung kann den Heilungsprozess stören und zu dauerhaften, dunklen Verfärbungen führen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Wie heilt eine Wunde eigentlich?

Um zu verstehen, warum Schutz so wichtig ist, lohnt ein Blick auf die Biologie der Wundheilung. Dieser Prozess verläuft in drei Phasen:

  • Entzündungsphase (Reinigung): Direkt nach dem Schnitt reagiert der Körper mit Rötung und Wärme. Weiße Blutkörperchen reinigen die Wunde, und es bildet sich eine erste Schutzschicht (Kruste).
  • Proliferationsphase (Reparatur): Neues, kollagenreiches Gewebe wird aufgebaut. Feine Blutgefäße sprießen ein, um die Wunde mit Nährstoffen zu versorgen. Die Wundränder ziehen sich zusammen, und die Haut stabilisiert sich.
  • Reifungsphase (Umbau): Diese Phase kann bis zu einem Jahr dauern. Das Kollagen wird neu strukturiert, die Narbe wird blasser und flacher. Doch genau jetzt ist sie extrem anfällig für äußere Reize.

Narbenpflege nach der Schönheits-OP: Warum Sonne gefährlich ist

Frische Narben unterscheiden sich biologisch von gesunder Haut. Sie besitzen noch keinen eigenen UV-Schutz. Wenn Sonnenstrahlen auf dieses empfindliche Gewebe treffen, reagieren die Pigmentzellen (Melanozyten) überempfindlich.

Das Ergebnis ist eine Hyperpigmentierung: Die Narbe verfärbt sich dunkelbraun. Anders als normale Bräune verschwindet diese Verfärbung oft nicht mehr, sondern bleibt dauerhaft bestehen. Auch künstliche Bräune (Selbstbräuner) ist keine Alternative für frische Wunden, da chemische Inhaltsstoffe Reizungen und Entzündungen auslösen können. Solarien sollten wegen der hohen UV-Dosis ohnehin strikt gemieden werden.

So schützen Sie Ihre Narben richtig

Damit die feinen Linien nach Ihrer Schönheits-OP später fast unsichtbar werden, ist konsequenter Schutz entscheidend.

  • Schatten statt Sonne: Meiden Sie die direkte Mittagssonne. UV-Licht verzögert die Heilung und provoziert Pigmentstörungen.
  • Textiler Schutz: Kleidung ist der sicherste Blocker. Tragen Sie lockere, lange Ärmel oder Hosen, die die betroffenen Areale bedecken.
  • Der richtige Lichtschutzfaktor: Sobald die Fäden gezogen und die Wunde geschlossen ist, sollten Sie einen Sunblocker verwenden. Wir empfehlen medizinisch Lichtschutzfaktor 50+ (im Originaltext SPF 30), um 98 % der Strahlung zu blockieren und das Gewebe sicher abzuschirmen.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Die Pflege von Narben erfordert Geduld. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Narbe bereit für Sonneneinstrahlung oder Pflegeprodukte ist, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Plastischen Chirurgen.

Er kann den Reifegrad des Gewebes beurteilen und Ihnen individuelle Tipps geben, damit Sie das bestmögliche ästhetische Ergebnis erzielen – ganz ohne störende Verfärbungen.

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