Die ersten Monate nach einer Magenverkleinerung sind eine Zeit der großen Erfolge: Die Pfunde purzeln, die Energie kehrt zurück. Doch oft mischt sich in die Freude ein Schreckmoment: Plötzlich finden sich mehr Haare als sonst in der Bürste oder im Abfluss.
Viele Patientinnen und Patienten reagieren panisch und fürchten eine dauerhafte Glatze. Die gute Nachricht vorweg: Dieser Zustand ist fast immer vorübergehend und reversibel. Bis zu 41 % der Operierten erleben diese Phase etwa drei Monate nach dem Eingriff. Hier erfahren Sie, warum Ihr Körper so reagiert und wie Sie Ihre Haarpracht unterstützen können.
Warum fallen die Haare aus? (Telogen Effluvium)
Eine Schlauchmagen-Operation bedeutet für den Organismus Stress – sowohl physisch durch die OP als auch durch die rapide Gewichtsabnahme. Der Körper schaltet in einen „Überlebensmodus“.
Da die Nährstoffzufuhr reduziert ist, leitet der Körper wichtige Baustoffe (wie Proteine) vorrangig zu lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn oder Muskeln. Die Haare gelten biologisch als „Luxus“ und werden zuerst rationiert. Dies führt dazu, dass viele Haarwurzeln gleichzeitig in die Ruhephase eintreten und die Haare zeitversetzt abstoßen.
Der Haarzyklus verstehen
Jedes Haar durchläuft drei Phasen:
- Anagen (Wachstum): Hier wird das Haar gebildet (dauert Jahre).
- Katagen (Übergang): Die Wurzel bildet sich zurück.
- Telogen (Ruhe): Das Haar fällt aus, um Platz für ein neues zu machen.
Normalerweise befinden sich nur etwa 10–15 % der Haare in der Ruhephase. Durch den OP-Stress geraten jedoch plötzlich viel mehr Follikel in diesen „Schlafmodus“. Da die Ruhephase etwa 3 Monate dauert, bemerken Sie den Haarausfall nach einer Schlauchmagen-OP oft erst zeitverzögert – typischerweise zwischen dem 3. und 6. Monat.
Welche Nährstoffe fehlen mir?
Obwohl beim Schlauchmagen (im Gegensatz zum Bypass) die Nährstoffaufnahme im Darm intakt bleibt, kann die geringe Essmenge zu Defiziten führen. Folgende Baustoffe sind essenziell:
- Protein (Eiweiß): Haare bestehen fast nur aus Keratin, einer Proteinverbindung. Fehlt Eiweiß in der Ernährung, wird das Haar brüchig und fällt aus. Bariatrische Experten empfehlen oft mindestens 60 g Eiweiß pro Tag.
- Zink: Ein Mangel an Zink ist bei Haarausfall-Patienten sehr häufig, da es für die Zellteilung an der Haarwurzel nötig ist.
- Eisen (Ferritin): Besonders bei Frauen ist ein niedriger Eisenspeicher ein Hauptauslöser für dünnes Haar.
- Biotin & B-Vitamine: Diese fungieren als „Motor“ für den Stoffwechsel der Haarwurzel.
Prävention: Was Sie tun können
Auch wenn sich der hormonelle Stress nicht ganz vermeiden lässt, können Sie die Ausprägung mildern.
- Protein-Priorität: Essen Sie zu jeder Mahlzeit zuerst das Eiweiß (Fleisch, Fisch, Quark, Hülsenfrüchte). Nutzen Sie bei Bedarf Eiweißshakes, um Ihren Tagesbedarf zu decken.
- Supplementierung: Nehmen Sie Ihre verordneten Multivitamine (WLS-Präparate) diszipliniert ein. Achten Sie besonders auf Zink, B12 und Folsäure.
- Geduld und Psyche: Stress verschlimmert den Haarausfall. Machen Sie sich bewusst, dass dies eine Heilungsphase ist. Die Haare wachsen in der Regel vollständig nach, sobald sich das Gewicht stabilisiert hat.
Fazit
Der Haarverlust ist der Preis für die schnelle Gewichtsabnahme, aber er ist nicht von Dauer. Mit einer eiweißreichen Ernährung und den richtigen Supplementen geben Sie Ihrem Körper die Kraft zurück, die er braucht, um nicht nur schlank, sondern auch wieder volles Haar zu produzieren.